Mittwoch, 17. April 2013

Freundliche Grüsse

Endlich habe ich einen Brief vom Internet erhalten! Schreibt das Internet eigentlich keine Mails?



Freitag, 25. Januar 2013

liebe nzz

Was soll ich davon halten? Ich will eben einen Artikel über Biodiversität aus der NZZ Online ausdrucken, als ich bemerke, dass die Bannerwerbung auch mitgedruckt wird: Mercedes Benz wirbt für den neusten Allrad-Schlitten. Mit ganz viel Spritverbrauch und Spass für die ganze Familie...

Samstag, 27. Oktober 2012

darf man das?

frage an den stilratgeber: darf man folgendes tun? (heute gesehen) neben mir wäscht sich ein älterer herr auf einem öffentlichen wc die hände. dann greift er sich in den mund und fördert sein gebiss zutage. auch das wird gewaschen unter dem wasserstrahl.

entscheiden sie selbst: hat der mann richtig gehandelt?

Montag, 15. Oktober 2012

der oder das?

Für Sie nachgeschlagen im Duden Rechtschreibung: Heisst es der Arsch oder das Arsch? (Neulich wurde mir diese Frage von interessierten Schülern zugetragen.) Es heisst der Arsch. Keine Variante zulässig, auch wenn wir als Schweizer Dialektsprecher "es Arsch" kennen (oder eben lieber nicht - schliesslich hat keiner gern Ärsche in seinem Bekanntenkreis. Damit wäre jetzt auch der Plural klar: Ärsche. Auch dudenkonform.) Überhaupt: Es macht Freude, dudenkonform zu fluchen. Auf derselben Doppelseite im Standardwerk deutscher Sprache findet sich der Armleuchter (mit der Ergänzung "auch Schimpfwort" - was denn sonst?, frage ich mich). Und natürlich finden sich auch alle die hübschen Komposita mit dem A-Wort: -backe, -bombe, -kalt, -pauker (derb für Lehrer (!)) und mein Lieblingswort: Arschwisch. Der Wisch ist ja ohnehin schon wertlos, wenn er aber noch einen (maskulin, ja das haben wir gelernt) Arsch vorgehängt bekommt, dann ist er wohl ganz und gar wertlos...

Montag, 24. September 2012

Schreibst du nur das Zauberwort

Bei der Durchsicht meiner alten Posts habe ich eine interessante Entdeckung gemacht:Im Durschnitt werden meine Posts von einigen wenigen Leuten gelesen. Oder wenigstens aufgerufen. Nicht gerade berauschend. Nur ein Post überragt die anderen bei weitem, was die Aufrufe angeht. Der Text heisst "Das Fiesbook" und handelt von - tja - Facebook. Natürlich ist der Post auch so gelabelt, will heissen: Wer einigermassen ziellos im Web herumgoogelt und mal "Facebook" eintippt, stösst allenfalls auf diesen Post. Und offenbar tun das viele Menschen. Über 200 (!) haben sich meinen Post zum Fiesbook angeschaut. Das bringt mich auf mehrere Gedanken:1. Es gibt Leute, die wohl ziemlich viel Zeit im Web verbringen und so irgendwann über meinen Facebook-Post stolpern.2. Das Schlagwort "Facebook" zieht.3. Deshalb habe ich es grad viermal in diesem Post verwendet. 4. Noch dreimal: Facebook, Facebook, Facebook.5. Das sollte reichen. Ich lehne mich jetzt zurück und gucke auf den Besucherzähler meines Blogs.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Von bescheuerten Sportarten

Die Winterolympiade - man mag sie als geistlose, profitorientierte Geldmacherei abwerten - diese olympischen Spiele also konfrontieren uns mit ein paar grundlegenden Fragen des Menschseins. Schaut man sich zum Beispiel die Rodler (oder auch die Rodlerinnen - ich sehe da keinen Unterschied) an, dann fragt man sich natürlich, wie ein Mensch sich in einem hautengen Anzug ernsthaft auf einem Schlitten einen Eiskanal hinunterstürzen kann, mit 130 km/h um die Kurven jagt und laut Fernsehkommentator dabei kaum etwas sieht, weil der Kopf nicht angehoben werden darf zwecks Aerodynamik. Es ist also offenbar so, dass diese Sportler nicht viel mehr machen als auf diesem Schlitten zu liegen und zu warten, bis sie unten sind. Mal zeigt die Uhr eine Hundertstel mehr, mal eine weniger an, was die einen freut und die anderen ärgert.
Das liesse sich ja alles noch entschuldigen. Sollen die doch einen Eiskanal runterschlitteln, wenn sie das wirklich wollen. Die optische Beleidigung hingegen, die ist nicht tolerierbar. Die Athletinnen (und Athleten) liegen in ihren Wurstpellen grad wie auf einem Serviertablett, was dann so aussieht, als ob hier ungekochte Blutwürste serviert würden, von einem zittrigen Kellner, sodass man immer etwas Angst haben muss um die Wurst.

Sonntag, 2. August 2009

Am Nationalfeiertag

Am ersten August beneide ich meine ehemaligen Kollegen von der Zeitungsredaktion jeweils ganz und gar nicht. Nicht weil sie am Nationalfeiertag Sonntagsschicht schieben müssen, sondern weil sich jedes Jahr dasselbe abspielt: In jeder Gemeinde findet die gleiche offizielle Feier statt, die gleichen Jodler jodeln die gleichen Lieder und die gleichen Leute sitzen vor der gleichen Fahne. Nachdem die nationale Bedrohung der letzten Jahr mittels Taskforce erfolgreich aus dem Weg geräumt wurde – die Rede ist von der Cervelatkrise bzw. dem Mangel an Därmen – weiss der diensthabende Journalist schon im Voraus, was von den Rednerpulten zum Volk gesprochen wird. Getrost könnte er die Schlagworte der letzten Jahre – Solidarität, Selbstverantwortung, Schweizer Werte, Aufbruch und Rückbesinnung – mit ein paar aktuellen Floskeln würzen – Krise, jetzt erst recht, das Steuer herumreissen – und schon hätte er die Reden zusammengefasst. Hie und da die Reihenfolge verändert, da und dort etwas pointierter formuliert und fertig ist der Brei. Natürlich wird das der Redaktor nicht tun, und seine Reporter werden ihm getreu berichten, was dieser und jene vom Rednerpult herunter sprach.
Sie sehen also, als Zeitungsmacher hat man es nicht leicht, besonders nicht am Nationalfeiertag. Und sollten Sie selber dereinst eine Rede zum Gründungstag der Schweiz halten müssen, dann denken Sie bitte an die armen Journalisten und versuchen Sie, etwas ganz Anderes zu machen. Erzählen Sie vom letzten Quartierfest, als Sie mit dem türkischen Nachbarn ins Gespräch kamen. Berichten Sie von Ihrer letzten Velotour durch das schöne Zürcher Oberland. Servieren Sie ein paar schöne Geschichten und lassen Sie die Floskeln und Schlagworte zu Hause.

Die Leiden des Konsumenten

Dass der tägliche Einkauf längst zu einem politischen Akt geworden ist, braucht Ihnen wohl niemand zu sagen. Kaum hat man sich ein Wägeli geschnappt, geht es los: Soll man Aprikosen aus Übersee kaufen oder aus dem Wallis? Das ökologische Gewissen will Schweizer Obst, das Portemonnaie plädiert für die billigere Importware. Man lässt es am besten bleiben, es muss ja nicht jeden Tag Obst sein. Dann vielleicht ein paar Trockenfrüchte? Man hat die Wahl zwischen Datteln aus Ägypten und der Türkei. Es beschleichen einen Zweifel: Soll man diese Regime unterstützen? Erst neulich konnte man doch wieder von Menschenrechtsverletzungen lesen, hüben wie drüben. Man legt die Packungen zurück ins Gestell. Es ist ohnehin keine Saison für Datteln, denkt man und schiebt den leeren Wagen weiter zum Gemüsestand. Bio-Kopfsalat steht auf der Einkaufliste und der ist ja nun sicher politisch völlig unproblematisch, denkt man, legt ihn ins Wägeli und während man das nächste Regal ansteuert, denkt man plötzlich an einen Bericht im Fernsehen. Da konnte man sehen, dass die Bio-Bauern zwar keine Gifte spritzen dürfen, dafür umso mehr Kupfer auf ihre Äcker kippen. Man verdrängt den Gedanken schnell und geht mit schlechtem Gewissen zum Mineralwasser-Gestell. Beim Griff nach der grünen Flasche stutzt man: So viel Verpackung für ganz banales Wasser, das nicht einmal Kohlensäure enthält? Dann kann man ja gerade so gut Leitungswasser trinken.
Dann wenigstens ein Glas Wein, wenn einem schon alles andere vergönnt ist. Doch halt, man weiss doch mittlerweile, dass Wein mit Schadstoffen belastet ist. Und diese Schadstoffe lagern sich im Körper ab, verursachen chronische Krankheiten, man wird ein Fall für die teure Spitzenmedizin und trägt dazu bei, dass die Gesundheitskosten noch weiter steigen. Also lieber keinen Wein und ab zur Kasse.
Zu Hause setzt man sich an den Tisch und denkt an die vielen guten Taten, die man als verantwortungsvoller Konsument getan hat und lässt sich den Salat schmecken. Wobei, so richtig will das Grünzeug nicht munden. Wahrscheinlich liegt es daran, dass er keine Sauce dran hat. Aber Sie wissen ja vermutlich, wo das Olivenöl herkommt und wie ungesund Essig für den menschlichen Organismus ist.

Das Fiesbook

Es gibt Erfolgsgeschichten, die mich zum Nachdenken anregen. So zum Beispiel die enorme Nutzung von Facebook, einer Internet-Plattform, die dafür da ist „mit Menschen in Kontakt zu treten“ – so die Eigenwerbung. Ursprünglich gegründet um mit jenen Menschen virtuell in Kontakt zu bleiben, die man in der physischen Welt kaum mehr sieht, ist es zu einer vor Banalitäten strotzenden Selbstinszenierungsplattform geworden. Das Facebook (zu Deutsch etwa „Gesichtsbuch“) ist zum Fiesbook geworden, weil man mit diesem Ding seine Mitmenschen auf subtile Art ganz schön malträtieren kann. Einige Beispiele mögen dies illustrieren: Wer seine Facebook-Seite öffnet, sieht gleich alle möglichen Nachrichten von seinen virtuellen Freunden. (Bei diesen „Freunden“ handelt es sich oft um Menschen, für die man im richtigen Leben dieses Wort nie verwenden würde – aber dies nur nebenbei.) Man erfährt also auf einer Art Zeitschiene, was diese Menschen umtreibt. Und da reiht sich Erkenntnis an Erkenntnis: Ich bin müde, schreibt jemand. Und ein anderer: Hab grad einen Donut gegessen. Leute, die mit solchen Botschaften ihren Mitmenschen die Zeit stehlen, sind schon ziemlich fies.
Aber es gibt noch einen fieseren Trick. In der Generation der Internetkinder ist der soziale Status viel weniger von der Automarke oder der Wohnlage abhängig, sondern viel mehr von der Anzahl Freunde. Je mehr Freunde jemand auf seiner Facebook-Seite hat, desto besser. Die Erfolgreichen verzeichnen dann gut und gerne deren 400 und mehr. Da muss ja jeder andere vor Neid erblassen und denkt sich: „Was muss ich für ein langweiliger Mensch sein. Ich habe bloss ein Dutzend Freunde!“ – Richtig fies für solche Leute.
Das „soziale Netzwerk“, wie Facebook gerne genannt wird, ist in auch nur so sozial wie seine Nutzer. Und dies sind bekanntlich Menschen wie du und ich.

Sonntag, 8. März 2009

April, April!

Vor ein paar Jahren erlebte ich an einem ersten April folgende Geschichte: Es war am späten Abend und ich sass im Zug von Zürich nach Uster. Wie meist um diese Zeit fand auch dieses Mal eine Billettkontrolle statt. Die Uniformierten gingen von Abteil zu Abteil und fragten nach Billett und Abo. Im Abteil schräg gegenüber von mir sassen zwei junge Männer, beide um die 20 und von Gesicht und Kleidung eindeutig als Balkanstämmige erkennbar. Sie unterhielten sich denn auch in ihrer Muttersprache, als die Kontrolleurin hinzutrat und sagte: „Die Billette, bitte.“ Der eine zückte sein Portemonnaie, streckte der Frau ein Papier hin, worauf diese zufrieden nickte. Sein Freund hatte auch den Geldbeutel gezückt, kramte aber umständlich darin herum. Die Bahnbeamte wartete. Verlegen stotterte der Mann, er finde seinen Fahrschein nicht. Aber er habe doch ein Billett gekauft, radebrechte er weiter. Sein Gegenüber pflichtete ihm bei – ebenfalls in sehr rudimentärem Deutsch. Die Kontrolleurin liess sich nicht aus der Ruhe bringen und nahm schon mal ihren Block hervor. Während sie ein leeres Formular für die Busse suchte, wollte der Passagier in kaum verständlichem Deutsch um Nachsehen bitten.
In den umliegenden Abteilen war die Szene nicht unbemerkt geblieben und wie immer in solchen Fällen liess sich auf den Gesichtern der Mitreisenden ablesen, was sie sich dachten: „Aha, mal wieder so ein Ausländer, der das Gefühl hat, er könne gratis Zug fahren.“ Oder: „Und dann noch auf Verständnis und Nachsicht hoffen, nein also das geht zu weit.“ Und ich muss zugeben, dass auch ich mir meinen Teil dazu dachte: „Zur Integration gehört eben auch, dass man sich an die hiesigen Gepflogenheiten und Regeln anpasst.“
Die Kontrolleurin war mittlerweile dazu übergegangen, den Namen des Sünders zu notieren. Das war sehr schwierig, da dieser sie kaum verstand und seine Angaben immer wieder korrigieren musste, weil er falsch buchstabiert hatte. Die Bahnbegleiterin war sichtlich genervt und versuchte gleichzeitig Haltung zu bewahren und ihre Arbeit zu machen. Der Mann entschuldigte sich in kargem Deutsch dafür, dass er kein Billett habe. Als die Kontrolleurin die Angaben des Mannes endlich hatte, streckte sie ihm den Bussenzettel hin, damit er unterschreibe.
Plötzlich schaute der junge Ausländer die Frau an und fragte in tadellosem Deutsch: „Welches Datum ist eigentlich heute?“ Die Bahnbegleiterin war etwas verdutzt ob den plötzlichen Sprachkenntnissen des Mannes und sagte: „Ähm, der erste April…“ – Und mit einem breiten Grinsen streckte ihr der vermeintliche Schwarzfahrer seinen Fahrschein entgegen. Einen Moment lang zögerte die Frau, dann begann sie zu lachen. „Da haben Sie mich ganz schön erwischt!“ Und nicht nur die Zugbegleiterin, auch die Leute in den anderen Abteilen kamen sich ganz schön an der Nase herumgeführt vor. Denn der junge Mann aus dem Balkan hatte verstanden, was Integration wirklich heisst. Nicht nur die Sprache, sondern auch die Bräuche hatte er in der neuen Heimat gelernt.

Freitag, 6. März 2009

Die Krise hat das Wort

Wenn man sich die Berichterstattung über die gegenwärtige Finanzkrise anschaut, fällt eines besonders auf. Kein Text, der die Krise nicht mit den abenteuerlichsten Metaphern beschreiben würde. Zur Erinnerung: Eine Metapher ist ein sprachliches Bild – Eine Beschreibung, die selber auch wieder eine Metapher ist und gleichzeitig auch zeigt, wie alltäglich sprachliche Bilder sind. In der Sprachwissenschaft ist man sich heute einig, dass Sprache per se metaphorisch ist.
Schauen wir uns einige der häufigsten Metaphern aus der Berichterstattung über die Finanzkrise an: Da ist zum Beispiel von „Finanzspritzen“ die Rede. Klar, wenn jemand krank ist, gibt man ihm ein Medikament, am liebsten mit einer Spritze, damit’s auch ein bisschen wehtut. Nur: Kann man ein Wirtschaftssystem gesund spritzen? Und wie sieht es wohl mit den Nebenwirkungen aus – fragt jemand den Arzt oder Apotheker?
Den Märkten fehle es an „flüssigem Geld“, das „eingeschossen“ werden müsse, ist weiter zu lesen. Da möchte man als Laie gerne mal zuschauen, wie dieses Geld in die Finanzmärkte schwappt. Flüssiges soll aber nicht nur zugeführt werden, sondern das Finanzsystem wird zuweilen als Ozean beschrieben, auf dem die Firmen ins „Schlingern“ geraten sind. Ob daran immer der raue Wind schuld ist und nicht vielleicht die „Wirtschaftskapitäne“?
Wer bisher geglaubt hat, dass es Organisationen wie dem Roten Kreuz oder der UNHCR vorbehalten sei, Hilfspakete auszuteilen, ist in den letzten Wochen eines Besseren belehrt worden. Kaum ein Land, das nicht ein „Konjunkturpaket“ oder dergleichen „geschnürt“ hätte. Wenn es den Firmen schon schlecht geht, dann macht man ihnen doch gerne eine Freude – zweimal Weihnachten sozusagen. Geschenke packt schliesslich jeder gerne aus, und wenn dann ein paar Millionen zum Vorschein kommen, dann kann man der ganzen Krise sogar noch etwas Positives abgewinnen.
Was die bilderdurchsetzte Berichterstattung über die Krise lehrt, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Je komplexer und abstrakter etwas ist, desto mehr sprachliche Bilder soll man beim Schreiben darüber verwenden. Damit lässt sich vielleicht vertuschen, dass man keine Ahnung hat.

Montag, 24. Dezember 2007

Von A-Menschen und B-Menschen

Irgendwie habe ich es schon immer geahnt: Die Skandinavier sind uns in Vielem voraus. Es ist allgemein bekannt, dass in Schweden nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater einen Urlaub erhält, nachdem sein Nachwuchs zur Welt gekommen ist. Aber weder ist deswegen der Wohlstand der Schweden im Keller, noch sind die skandinavischen Männer allesamt birkenstocktragende Softies. Vielmehr schafft dieses Modell die Grundlage für eine wirklich chancengleiche Gesellschaft.
Aber nicht nur beim Vaterschaftsurlaub, auch bei viel profaneren Fragen ist man uns in Nordeuropa einen grossen Schritt voraus. Neulich las ich, dass in Dänemark eine Gesellschaft gegründet worden sei, deren Ziel es ist, die Interessen von so genannten B-Menschen zu vertreten. B-Menschen sind keine Wesen zweiter Wahl, wie man vielleicht meinen könnte. Zum B-Menschen wird man nicht gemacht, sondern erklärt sich selber dazu. Oder noch besser: Die eigene Biologie entscheidet darüber, ob man ein A- oder B-Mensch ist. A-Menschen stehen lieber früh auf, beginnen noch vor acht Uhr zu arbeiten und machen am Nachmittag früh Schluss. B-Menschen funktionieren andersherum. Sie schlafen lieber aus, tauchen vielleicht erst um zehn hinter dem Schreibtisch auf und haben am Nachmittag und abends ihre beste Schaffensphase.
Die neu gegründete Vereinigung will sich in Dänemark nun für die Interessen der B-Menschen einsetzen. Neue Technologien wie E-Mail und drahtloses Internet ermöglichten, dass nicht alle Arbeitnehmer zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein müssten, so die 29-jährige Initiantin Camilla Kring. Sie und ihre Mitstreiter sind überzeugt, dass die Wirtschaft im Endeffekt profitieren wird: Wer Arbeit und eigene Bedürfnisse vereinen kann, ist motivierter und dadurch produktiver. Wenn ein B-Mensch gezwungen wird, vor zehn Uhr kreativ zu sein, ist das etwa so erfolgsversprechend wie wenn man einen Fussballer zum Eiskunstläufer machen will. Wieder einmal könnten wir also etwas lernen von den Skandinaviern – und wenn es nur die Erkenntnis wäre, dass nicht jeder, der morgens gerne länger liegen bleibt, ein Nichtsnutz ist.
Und noch etwas könnten wir von den Dänen lernen: Die dänischen Krippen seien auf jene Eltern ausgerichtet, die von 8 bis 16 Uhr arbeiten, sagt B-Mensch Kring in einem Interview. 8 bis 16 Uhr? Tönt gar nicht mal so schlecht. Vielleicht sollten wir uns zwischendurch vornehmen, nach das Büro skandinavischer Art um 16 Uhr statt nach gut helvetischer Art erst nach 18 Uhr zu verlassen.

Die Zweiklassengesellschaft

Wer mit offenen Augen durch die Welt und insbesondere durch die Bahnwagen der SBB geht, konnte in jüngster Zeit den Verdacht nicht loswerden, dass die Menschen näher zusammengerückt sind. Es ist augenfällig: Aus einer Vierklassengesellschaft ist eine Zweiklassengesellschaft geworden. Bis vor ein paar Jahren gab es in jedem Zug vier verschiedene Abteile: Eines für die rauchenden Reichen, eines für die nicht rauchenden Reichen, und je eines für qualmende und gesund lebende Menschen mit kleinem Portemonnaie. Gegenwärtig stehen sich nur noch die Reisenden der ersten Klasse und jene der zweiten gegenüber. Die Raucher und Nichtraucher beider Klassen haben sich vereinigt. Aus dieser Feststellung den Schluss zu ziehen, dass die Menschen einander tatsächlich näher gekommen sind, ist aber leider kreuzfalsch. Raucher und Nichtraucher sind weiter voneinander entfernt denn je. Auf beiden Seiten wird mit einer Vehemenz gekämpft, die ihresgleichen sucht.
Besonders beliebt bei Rauchern ist das Argument, dass es sich um ein persönliches Recht handle, sich einen Glimmstängel anzustecken – wo und wann immer man möchte notabene. Da kann ich als Nicht- (und Ex-)Raucher nur hoffen, dass meine Entscheidung, keinen Rauch einzuatmen ebenso respektiert wird. Grundsätzlich bin ich ja nicht gegen das Rauchen, schliesslich bringt es Farbe ins Leben: Die Finger werden gelb, die Zähne braun, die Lungenflügel schwarz – da sollte einfach jeder selber entscheiden können, wie viel Farbe er seinem Leben geben will.
Zumal es zu bedenken gilt, dass das demokratisch eingeforderte Recht auf Qualm ja nur für eine Minderheit gilt. Wenn nur 20 oder 30 Prozent einer Gesellschaft rauchen, dann ist es nach meinem Demokratieverständnis legitim, wenn sich die Mehrheit für ihr Anliegen stark macht. Den Minderheitenschutz sollte man in diesem Punkt nicht überstrapazieren.
Übrigens zeigt die Erfahrung, dass es durchaus Lösungen gibt, die für alle annehmbar sind. Im frisch renovierten Café Sprüngli am Zürcher Paradeplatz gönnte ich mir neulich einen Kaffee – ohne Rauch in der Nase. Das Lokal ist strikt aufgeteilt in Raucher- und Nichtraucherplätze. Letztere Zone wird zudem gut entlüftet. Und das Beste daran: Die Nichtraucherzone ist klar die schönere, weil hellere Hälfte des Raumes.
Übrigens stimmt es wohl, was viele Raucher behaupten: Die schlimmsten Scharfmacher bei den Nichtrauchern sind die ehemaligen Raucher. Das kann ich bestätigen. Warum das so ist, darüber kann ich nur mutmassen. Vielleicht, weil die ehemaligen Raucher wissen, dass weniger Farbe im Leben komischerweise ein farbigeres Leben bedeutet.

Montag, 29. Oktober 2007

Gefunden: die Antimaterie!

Neulich kaufte ich mir mal wieder eine Kindheitserinnerung, ein Minipic. Diese länglichen, dünnen und ein bisschen grusigen Würstli erinnern mich stets an Einkäufe mit meiner Mutter. Wahrscheinlich, weil ich immer eins wollte und nie eins bekam. Stattdessen gab's ein fettiges Wurst-Rugeli. Schon unglaublich, was man als Kind alles aushalten muss...
Vielleicht war das ganze aber auch ein abgekartetes Spiel und die Erwachsenen wusste genau, weshalb sie mir das Minipic verwehrten. Auf der Verpackung stehen nämlich Dinge drauf, die für Kinderaugen nicht geeignet sind. Und das geht so: "Zutaten pro 100g: Schweinefleisch (ca. 65g), Rindfleisch (ca. 56g), Speck, Nitratpökelsalz etc." Na? Fällt Ihnen was auf, liebe Leserin, lieber Leser? Na dann rechnen Sie mal schnell: 65g plus 56g gleich 121 Gramm. Pro 100 Gramm. Und dann kommt noch Speck und was weiss ich alles für grusige Sachen hinzu. Seltsam, oder? Es gibt nur eine Erklärung für dieses Phänomen: negative Materie. Auch genannt Anti-Materie. Wenn 100 Gramm aus 121 Gramm bestehen, dann muss logischerweise ein Teil dieser 121 Gramm einen anderen Teil vernichten. Mit anderen Worten: Diese fünf Salamistängeli, die zusammen in einer Plastikfolie wohnen, bis sie ein hungriger Mensch verschlingt, sind nichts anderes als ein schwarzes Loch. So bezeichnen Astronomen Orte im Universum, an denen Materie vernichtet wird, was im Fall von Minipic ja auch geschieht. Ganze 21 Gramm Rinds- und Schweinefleisch verpuffen, bevor sie sich als Materie manifestieren können.
Damit sollte auch klar sein, wieso man Kindern Minipics verbieten sollte. Erführen sie nämlich im zarten Kindesalter von der Relativität der Materie, könnten sie auf die Idee kommen, dass das Zimmer nicht aufgeräumt werden muss, sondern dass es einfach zu wenig Anti-Materie darin hat. Und das liesse sich dann vielleicht mit einem Minipic bewerkstelligen.
Anti-Materie zeigt sich übrigens manchmal wieder in Form von Materie, und zwar da, wo sie nicht sollte. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal abgesogen werden.

Samstag, 18. August 2007

Der Kluge reist im Zuge

Neulich belauschte ich in der S5 von Zürich Richtung Oberland ein Handy-Gespräch der besonderen Art. Für einmal wurden der Welt nämlich weder die üblichen Beziehungsprobleme («Nei Schatz, mer händ en Apéro im Gschäft gha») noch Geldsorgen («Ich bruch de Stutz megadringend») mitgeteilt, sondern das Problem eines sich füllenden Brunnens erörtert. Man mag sich wundern, wie man eine Viertelstunde über ein Wasserspiel diskutieren kann, doch die Sache ist kniffliger, als es den Anschein macht.Das Gespräch geht gleich mit dem Wichtigsten los: «Weisst du jetzt, wie man den Brunnen berechnet?» Der Anrufer horcht in sein Mobiltelefon, die Antwort befriedigt ihn nicht: «Nein, du musst zuerst das Volumen ausrechnen. Höhe mal Breite mal Tiefe.» - Aha. Ein Brunnenkonstrukteur, der seinem Lehrling Anweisungen gibt, denkt sich der interessierte Zuhörer. «Und wie viel läuft in der Minute hinein?» - Das ist nun wirklich eine gute Frage für den Brunnenbauer. Der Stift hat es offenbar schon ausgerechnet, denn der Lehrmeister bestätigt das Gehörte. «Und jetzt musst du wissen, wie viel rausläuft», gibt er die nächste Anweisung in sein Handy. - Oh Schande, der Brunnen hat auch noch ein Leck! Der Lehrling sollte es flicken, zustopfen, mit seinem Hemd, irgendwie, möchte ich dem Lehrmeister zu verstehen geben. Er beachtet mich nicht, hat aber inzwischen ein Blatt Papier gezückt und präzisiert seine Angaben. «Wenn du die Höhe weisst, dann ist jetzt der Durchlauf auch klar, oder?» - Logo, kein Problem. «Das kannst du ja mit dem Volumen berechnen», gehen die Instruktionen weiter. - Hätte er aber auch selber draufkommen können, der Junior am anderen Ende der Leitung.Dann klart die Miene des Brunnenbauspezialisten mit einem Male auf: «Genau. Jetzt hast du es verstanden. Ja, nun ist der Zwanziger gefallen.» - Auch ich bin beruhigt, dass die Gefahr einer Überschwemmung fürs Erste gebannt ist. Der Lehrmeister beendet das Gespräch mit folgenden Worten: «Gib die Aufgabe morgen ab. Nimmt mich Wunder, was dein Mathi-Lehrer dazu sagen wird.» - Mathi-Lehrer?, fragt sich der vom Mitfiebern etwas ermattete Mitreisende. Langsam dämmert es: Offenbar hatte ich gerade einer Nachhilfestunde im Sätzlirechnen beigewohnt. Keine Spur von Brunnenbauer und Lehrling. Drei Dinge habe ich aber gelernt: 1. Bildung ist teuer (die Handy-Rechnung des vermeintlichen Lehrmeisters möchte ich jedenfalls nicht sehen), 2. der Brunnen ist in 27 Minuten gefüllt, und 3. der Kluge reist tatsächlich im Zuge - der Dumme sitzt nämlich zu Hause und büffelt Dreisätze.

Der 1. August 2008 ist gerettet

Neulich habe ich auf einer Speisekarte ein Gericht entdeckt, das ich vor lauter Ethnofood schon längst tot geglaubt hatte: Wurstsalat garniert. Es gibt wohl nichts Urschweizerischeres als einen Wurstsalat.
Doch im Gegensatz zur hiesigen Demokratie und Eigenständigkeit ist dieses nationale Symbol wirklich bedroht. In einen Wurstsalat gehört ja nicht irgendeine Wurst, sondern ein in Scheiben geschnittener Cervelat.
Dieser Wurst geht es jetzt aber an den Kragen, weil die «Haut», wie die Import-Rinderdärme verniedlichend genannt werden, bald nicht mehr geliefert werden können. Der Cervelat (wieso haben eigentlich alle Schweizer Spezialitäten französische Namen? - Fondue, Raclette, Gruyère) ist eine Kindheitserinnerung und weckt Heimatgefühle.
Am Sporttag verteilte man uns in der Mittagspause jeweils einen Imbiss. Dieser bestand aus einem rohen Cervelat, einem Bürli und einem Fläschli Most. Verschwitzt setzten wir uns auf den Fussballrasen und bissen herzhaft in die Brätmasse. Nur bei der Frage, ob der zähe Rinderdarm, welcher die Masse in Form hält, mitgegessen werden soll oder nicht, schieden sich die Geister. Dieser Zmittag wird heute nicht mehr verteilt am Sporttag. Vielleicht auch wegen der Sparmassnahmen, aber vor allem, weil man einen rohen Cervelat nicht mehr ganz zeitgemäss findet.
Als ich 20 Jahre später als Begleitperson auf eine Schulreise mitging, war die Frage «Cervelat schälen oder nicht?» immer noch nicht vom Tisch. Eines der Schulkinder hatte jedoch eine klare Vorstellung, wie es seine Wurst haben wollte: «Ohne Fell, bitte.» Gut, hab ich halt dem Ding das Fell über die Ohren gezogen. Der Knabe war glücklich, hielt seine Wurst kurz in die Flammen, bis sie aussen verkohlt und innen noch kalt war - es schmeckte ihm vorzüglich ...
Es wäre ja wirklich ein Jammer, wenn uns künftig solche Szenen und gastronomische Erfahrungen vorenthalten bleiben würden. Einen positiven Effekt hätte der Untergang des Cervelat aber vielleicht doch: Die nach der Wurst benannten Lokalberühmtheiten - eben die Cervelatprominenz - würde mit dem Cervelat verschwinden, so meine Hoffnung. Wie schön wäre es, nie mehr Bilder von Baschi und Francine Jordi in der Zeitung sehen zu müssen. Dafür könnte ich glatt zum Vegetarier werden.
82 Millionen Cervelats gehen jedes Jahr über die Ladentheken der Schweiz. Gemäss dem Schweizer Bauernverband wird das auch nächstes Jahr noch so sein. Zwar können weder aus Brasilien noch aus Paraguay mehr Rinderdärme eingeführt werden, aber zur Not könne man auch auf solche aus Australien oder Neuseeland ausweichen.
Wie dem auch sei, Hauptsache, unsere urschweizerische Wurst ist gerettet. Und falls alle Därme reissen sollten, bleibe immer noch die Möglichkeit, Schweinedärme zu verwenden, heisst es beim Bauernverband. Die kommen dann wahrscheinlich aus China oder Polen.
Aber egal, Hauptsache, der nächste Nationalfeiertag ist gerettet.

Montag, 11. Juni 2007

Endlich Formel 1 im Zürcher Oberland

Der Nationalrat hat diese Woche beschlossen, dass Formel-1-Rennen in der Schweiz wieder zugelassen werden sollen. Seit 1955, als bei einem Unfall im französischen Le Mans über 80 Personen starben, waren die lärmenden Motoren auf helvetischen Pisten tabu. In der Zwischenzeit hat sich aber einiges geändert, und das wissen natürlich auch die Bundespolitiker. Es verkehren heute viel mehr Privatwagen als vor 50 Jahren und das ganze Land ist mit einem dichten Netz von Autobahnen überzogen. Das ganze Land? Nein, eine kleine Region im Zürcher Oberland konnte bisher gegen Ansturm der Autobahnbauer wehren. Doch das soll sich nun ändern. Mit der Wiedereinführung der Formel-1-Rennen wollen die Politiker in Bern auch gleich der Oberlandautobahn zum Durchbruch verhelfen. Die Verbindungsstrasse soll nämlich so angelegt werden, dass sie am Wochenende für Rundrennen benützt werden kann. Nicht umsonst wurde beim Anschluss Uster Nord vor ein paar Jahren ein Kreisel gebaut. Dieser wird zum so genannten „Buchholz-Turn“, von wo aus es auf der Beschleunigungsrampe Richtung Aatal geht. Eine kurvenreiche Strecke durch Tunnels und über Brücken führt dann Hamilton und Co. gen Hinwil, wo der Betzholz-Kreisel die zweite Haarnadelkurve des Parcours bildet. Allenfalls kann auch eine Schikane eingebaut werden, indem der Kurs über die Schleuderstrecke des TCS umgeleitet wird. Für die Zuschauer verspricht man sich ein besonderes Spektakel.
Problematisch könnte für die Rennboliden einzig die Anfahrt ins hügelige Zürcher Oberland sein. Nicht umsonst fahren hier ja so viele Personen ein so genanntes SUV (kurz für: Sport Utility Vehicle, wobei man sich fragt, was diese Kolosse mit Sport und Nützlichkeit zu tun haben sollen). Das strassentechnisch unterentwickelte Gebiet zwischen Greifensee und Obersee lässt sich eben nur mit grossen Motoren, dicken Pneus und viel Benzin befahren. Bei den Verantwortlichen sind deshalb Stimmen laut geworden, das Oberland-Rundrennen und die Begeisterung der Bewohner für Allround-Fahrzeuge zu kombinieren. Der Kompromiss sähe dann so aus: Die Rennstrecke wird zwar gebaut, aber nicht asphaltiert. Damit wären alle zufrieden: Chef-Automobilist Giezendanner hätte seinen Traum vom helvetischen Rundstreckenrennen verwirklicht, die Oberländer hätten ihre Autobahn und dürften erst noch mit gutem Gewissen jeden Morgen ihren 12-Zylinder-Motor starten.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Verhüllungstaktik

Die schlechten Dinge haben ja manchmal auch ihre guten Seiten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat neulich die Bevölkerung dazu aufgefordert, Atemschutzmasken zu kaufen. Mindestens 50 Stück sollte jede und jeder zu Hause auf Vorrat haben, für den Fall dass die Gefahr über uns hereinbrechen sollte. Gemeint sind aber weder der Sommer-Smog noch die alljährlich wiederkehrende Ozonbelastung. Daran sollen sich die Leute gewöhnen oder einfach während dem Sommerhalbjahr ihre Wohnung nicht mehr verlassen, was dank Online-Shopping ja problemlos möglich ist.
Das BAG warnt vor einer ganz anderen Gefahr, nämlich der Vogelgrippe. Wenn die Pandemie kommt, dann hilft nämlich nur noch eins: Maske auf und Hände weg! Von allem. Denn mit den Händen überträgt man oft Krankheitskeime. So weit so gut, doch am Alarmismus des Bundesamtes erstaunen zwei Faktoren: 1. Der Zeitpunkt und 2. Die Wirksamkeit der Massnahme. Den Zeitpunkt erklären die Verantwortlichen damit, dass die Gefahr allgegenwärtig sei und man nie genug gewappnet sein könne. Dann könnte das BAG den Bürgern allerdings auch Ohrenstöpsel gegen schlechtes Privatradio und einen Notvorrat an Büchern gegen den Analphabetismus empfehlen. Denn diese Gefahren lauern auch überall und ihre Auswirkungen sind vielleicht noch schlimmer. Zum zweiten Punkt sei nur Folgendes gesagt: Die Wirksamkeit von Atemschutzmasken ist so klein, dass man sich fragen muss, ob das BAG nicht den Grossverteilern helfen will, ihre Lagerbestände aus Sars-Zeiten zu liquidieren. Die Verantwortlichen räumten denn auch ein, dass die Maske nach drei Stunden von der Atemluft feucht sei und nichts mehr tauge. Dass sie vorher nicht viel mehr taugt, wollte niemand verraten. Weder eine hundskommune, geschweige denn die böse Vogelgrippe lassen sich von den Atemmasken aufhalten. Offenbar will man damit vor allem eines: das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung stärken.
Es gibt aber noch einige Fragen, die das BAG bis jetzt nicht beantwortet hat: Dürfen Raucher ein Loch in die Maske schneiden? Wer garantiert mir, dass ich nicht für einen vermummten Demonstranten gehalten und verhaftet werde? Müssen Chirurgen nun keine Masken mehr tragen? Oder gleich zwei? Und was mache ich, wenn der Vorrat an Schutzmasken nach schätzungshalber einer Woche aufgebraucht ist? Am besten wohl das: vor Erleichterung tief Durchatmen.